SK Halle 1946 eV

Turnierbericht NRW-Blitz-Einzelmeisterschaften

Zu Gast in Halle war am Samstag die Blitzelite von Nordrhein Westfalen. Interessant ist schon, wie wir dazu gekommen sind, dass wir das Turnier in Halle austrugen: Mir war aufgefallen, dass die Blitz-Einzelmeisterschaft der Frauen die letzten Jahre gar nicht ausgetragen wurde und das wollte ich gerne mal ändern. Auf meine spontane Anfrage zu Jahresanfang, die ein wenig aus der Euphorie heraus motiviert war, dass wir gerade unser schickes neues Spiellokal bezogen hatten, ob wir dieses Jahr vielleicht das Frauenturnier ausrichten dürften, lautete die Antwort sinngemäß: „Gerne, aber am liebsten auch das offene Turnier gleich mit!“ Nach kurzem Überlegen, sagte ich spontan zu. So schnell und unbürokratisch kann es manchmal gehen.

Zur Einordnung: Das „offene“ Turnier ist für alle Geschlechter offen, deswegen heißt es „offen“. Es war aber nicht „offen“ für jedermann, der potentiell am Samstag hätte mitspielen wollen, denn man musste sich über diverse lokal ausgetragene Turniere der Bezirke und Verbände dafür qualifizieren. In OWL reichte das Belegen einer der vorderen Plätze bei der OWL-Meisterschaft. Anderswo musste man sich erst über die Stadtmeisterschaft, die Bezirksmeisterschaft und schließlich über die Verbandsmeisterschaft qualifizieren. Erst wenn man sich dort überall durchgesetzt hatte, bekam man einen Startplatz für die NRW-Meisterschaft. Beim Frauenturnier dagegen konnte sich jede Schachspielerin anmelden und einfach mitspielen. Die ersten beiden Plätze beider Turniere qualifizierten sich für die jeweilige Deutsche Meisterschaft im Blitzschach, die im Mai in München stattfinden wird.

Das 20-köpfige Teilnehmerfeld. Auch ein paar Zuschauer fanden den Weg nach Halle, links filmend mit dem Handy ist Dirk Hofschlag zu sehen, im roten Overall hinten am Fenster der Vorsitzende des SK Werther Markus Henkemeier.

Das 10-köpfige Feld der Frauenmeisterschaft (Brett 1 war schon fertig mit ihrer Partie)

Das offene Turnier wurde in unserem Spiellokal gespielt, für das Frauenturnier haben wir die Empore der Mensa vorbereitet. Beide Spielorte boten ausgezeichnete Spielbedingungen für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer: Viel Licht, viel Platz; nur die lautstarken Anfeuerungsrufe beim parallel in der Turnhalle stattfindenden Volleyballspiel, störten zum Ende hin etwas. Das Frauenturnier bekam unser bestes Spielmaterial, dafür wurden beim offenen Turnier die ersten 5 Bretter live ins Internet übertragen, die von allen Schachinteressierten dort verfolgt werden konnten. Sogar der aus Lemgo stammende Matthias Blübaum, der letzte Woche zum wiederholten Male die Europameisterschaft gewinnen konnte, schaute kurz mal in die Übertragung rein.

Wir hatten als Ausrichter das Recht einen Spieler im offenen Turnier mitspielen zu lassen, diesen „Ausrichterplatz“ nahm Hansa Miller ein. Er kämpfte wacker, konnte angesichts der hoch überlegenen Gegnerschaft aber letztlich keinen Punkt holen. Im Frauenturnier spielten Inha und Lily mit. Dort war es ergebnistechnisch sehr eng. Lily erspielte mit 5 aus 9 Punkten den 5. Platz, zwischen dem Sieger und dem 6. Platz lagen aber auch nur 2 Punkte. Inha hatte mal wieder eine sehr beschwerliche und stressige Anreise aus Köln (Fußballsamstag…) und schaffte es nur ganz knapp zum Turnierstart ans Brett. Sie erspielte sich nur zwei Remis (die aber immerhin gegen die am Ende 2. und 3. platzierte). Gewonnen hat das Frauen Turnier Anastasia Erofeev aus Lieme, den zweiten Qualifikationsplatz sicherte sich Helena Neumann aus Gütersloh.

Hansa (links) im Duell mit Ralph Blasek. Ralph gewann vor über 40 Jahren die Haller Stadtmeisterschaft, auf dem Pokal in unserer Vitrine ist sein Name immer noch verewigt. Mittlerweile spielt er in Solingen.

In der dritten Reihe spielte immer Frank Bellers mit einem festen Platz. Jeder andere Spieler kam ihn einmal dort besuchen.

Die zweite Reihe (Brett 6-9, Runde 5). Im Vordergrund Klaus Rybarczyk vom Godesberger Schachklub gegen Noel Gallas von den Schachfreunden Essen-Katernberg. Noel gewann am Ende die Partie.

Die erste Reihe: Auch dort hatte Nhan Jiehou (links) von der Schachvereinigung Plettenberg seinen Stammplatz, er war in der Setzliste auf dem letzten Platz gesetzt und durfte daher immer an Brett 1 spielen. Gegen den späteren überlegenen Turniersieger Maurin Möller vom blauen Springer Paderborn hatte er allerdings keine Chance. Maurin spielte ein wahnsinnig gutes Turnier. 16 Punkte aus 19 möglichen (ELO Performance 2481!) bedeuteten den Turniersieg mit ganzen 3 Punkten Abstand. Wenn er auch in München dieses Niveau halten kann, wird er dort gute Chancen haben, und wenn es optimal läuft, vielleicht auch den ganz großen Pott mal nach OWL holen.

Da vier Spieler nach 19 Runden, in denen jeder gegen jeden gespielt hatte, punktgleich waren, gab es um den zweiten Qualifikationsplatz ein Stechen. IM Bernd Schneider (links) aus Solingen ging daraus als Sieger hervor und darf als zweiter Repräsentant NRWs an der Deutschen Blitz-Einzelmeisterschaft teilnehmen.

Das Siegerfoto, die drei ersten (Florian Stricker, Maurin Möller und IM Bernd Schneider) eingerahmt von den Schiedsrichtern des Turniers, zu denen ich etwas unplanmäßig auch gehörte. Während Andreas Junk (rechts) sich um das Frauenturnier kümmerte, unterstützte ich ihn nicht nur bei der Live-Übertragung (was eigentlich geplant war), sondern auch bei der Leitung der ersten Hälfte des offenen Turniers.

Vielen Dank allen Helfern vom Schachklub Halle, die es durch ihr Engagement möglich gemacht haben, dass wir ein guter Gastgeber für die Schachfreunde von nah und fern waren. Ich habe viel positives Feedback erhalten und möchte dies auf diesem Weg gerne weitergeben. Ganz besonderer Dank an Frank Bergmann für alles: Ohne Dich hätten wir es nie geschafft, das alles so auf die Beine zu stellen. Klaus Blümel und Hansa Miller: Vielen Dank für die Hilfe beim Aufräumen! Familie Tiemann, Familie Gellen: Herzlichen Dank für den Kuchen. Es war zwar anstrengend, mir hat es aber viel Spaß gemacht!

Ergebnisse offenes Turnier

Ergebnisse Frauenturnier

Blitz-NRW-Meisterschaften beim Schachklub Halle

Am nächsten Samstag, dem 29.03.2025 werden wir Gastgeber der NRW-Blitz-Einzelmeisterschaft sein. Das Frauenturnier ist dabei offen. Einzige Vorraussetzung, um dort mitspielen zu dürfen, ist das richtige Geschlecht und eine Vereinsmitgliedschaft bei einem NRW-Schachklub. Anmeldungen sind noch bis zum Turnierstart möglich. Die offizielle Ausschreibung ist hier zu finden. Das Tunier ist kostenfrei und Blitz-ELO ausgewertet. Von uns werden Lily und Inha im Frauenturnier sowie Hansa im offenen Turnier mitspielen. Zuschauer sind natürlich herzlich willkommen. Wir werden den Verkauf von belegten Brötchen, Getränken und Kuchen vor Ort organisieren. Die aktuelle Teilnehmerlisten sind hier zu finden, es sind viele Titelträger dabei!

Offenes Turnier

Frauenturnier

Teutopokal in Verl: Die 30 ist geknackt

Premieren und Rekorde brachte die Märzausgabe des Teutopokals. Das erste Mal fand ein Turnier in den überaus geeigneten Räumlichkeiten des TV Verls statt und wir knackten dabei sogar die 30-Teilnehmer-Grenze. Das Turniergeschehen lässt sich am besten mit Hilfe der Bilder beschreiben. Schnallt euch an: Los gehts!

Aus Ahlen besuchten uns zum wiederholten Male FM Rafael Torres-Kuckel, Andreas Völker (links) und Ulrich Woestmann (rechts). Andreas spielte ein eher unauffälliges Turnier, wobei der Sieg gegen Rafael natürlich heraussticht, Ulrich war sehr gut aufgelegt und sicherte sich mit 10,5 Punkten am Ende den zweiten Platz.

Nico Glatt (links) konnte ebenfalls einige Highlights setzen (Sieg gegen Helena Neumann), aber insgesamt reichte es dieses Mal nur zu einem Platz im Mittelfeld.

Martin Bushell (rechts) und Adam Popkiewicz feierten beide ihre Premiere beim Teutopokal. Die von Adam ist dabei besonders gelungen. Mit einigen Siegen über nominell stärkere Gegner erspielte er sich eine EInstiegs-ELO von 1743. Die Partie zwischen den beiden sollte Adam für sich entscheiden.

Mistraim Shungu (links) und Matthias Schulte zu Sodingen spielten ebenfalls das erste Mal mit. MIstraim kommt aus dem Kongo und war gestern neben Walandis Milonas der einzige Teilnehmer mit keiner deutschen ID. Die Partie zwischen den beiden gewann Matthias, nachdem Mistraim die Schachs ausgegangen waren und er matt gesetzt wurde.

Helena (links) spielte letzte Woche die A-Gruppe der offenen deutschen Frauenmeisterschaft mit und saß an diesem Freitag schon wieder am Brett. Ihr Ergebnis war dieses Mal nicht überragend, u.a. haben beide Schirmbecks ihr den vollen Punkt abgeknöpft ;-). Trotzdem reichte auch ein schlechtes Turnier aus, um im oberen Drittel zu landen und das sagt ja auch etwas über ihre Qualitäten aus. Bei Walandis Milonas gab es ebenfalls ergebnistechnisch Licht und Schatten. Es ist aber immer wieder eine Freude seinen kreativ gespielten Partien zuzuschauen.

Michael Popiolek (links) ist derjenige, ohne den es den Teutopokal nicht in Verl gegeben hätte. Dankeschön für die tolle Zusammenarbeit bei der Organisation des Turniers. Da sich unser Schiri Christian Jackl kurzfristig bereit erklärte auch die Eintragung der Ergebnisse vorzunehmen, konnte er auch mitspielen. Die Partie gegen Lily gewann er, insgesamt platzierte er sich im Mittelfeld.

Blick über das Gesamtfeld. Das Foto konnte ich schießen, weil ich gegen Rafael meine Partie recht schnell eingestellt habe. Die Räumlichkeiten in Verl sind ideal für Schachturniere. Es gibt ein großer Fernseher an der Wand (in der Spiegelung am Fenster zu erkennen), wo alle einen guten Blick über die Turnierverwaltung haben, helles Licht, ausreichend Platz. Einfach ideal!

Aceyla Ammunra Rodriguez war einer von vier weiblichen Schachspielerinnen, die gestern am Brett saßen. Sie spielte ihr erstes Schachturnier. Gegen Michael Neumann verlor sie ihre Partie, aber in der letzten Runde gegen Carsten Bongartz holte sie ihren Punkt gegen einen ELO-Inhaber. Damit dürfte sie sich ihre erste eigene ELO verdient haben. Herzlichen Glückwunsch!

Nick Gehrmann (links) spielte ein hervorragendes Turnier und war im späteren Turnierverlauf fast immer im ersten Drittel des Turniers zu finden. Eine ELO-Performance von 1900 und 39 gewonnene Pünktchen sind die Belohnung für sein starkes Spiel. Auch die Partie gegen Philipp Weber (rechts) sollte er gewinnen. In zweiter Reihe spielen Viktor Gieles und Lorenz Kowalzik gegeneinander. Lorenz rollte mit seinem Rolli von Brett zu Brett und erspielte sich ebenfalls seine erste Blitz-ELO. Viktor bestätigte seine Leistung aus Rheda und platzierte sich im Mittelfeld des Turniers.

Hansa (links im Spiel gegen Kilian Schramm) wird den Ausrichterplatz bei der NRW-Blitzeinzelmeisterschaft, die übernächste Woche bei uns stattfindet, einnehmen und spielte sich schon einmal dafür warm. Platz 19 mit 6,5 Punkten entsprach ungefähr seiner Startplatzierung. Kilian spielte ein starkes Turnier, gewann 33 ELO-Punkte und landete auf Platz 6.

Thomas Bücker schaute kurzfristig vorbei und staubte am Ende den 3. Platz ab. Ich konnte ihn im direkten Duell zwar überspielen, am Ende hatte er aber einen ärgerlichen halben Punkt mehr ;-).

Lily startete wie die Feuerwehr mit 3 aus 3 und bewies einmal mehr, dass Blitzschach eine ihrer stärksten Disziplinen ist. Am Ende bestätigte sie ungefähr ihren Ranglistenplatz.

Rafael (links) ließ gestern wenig anbrennen. Selbst eine Null gegen Georg Hagenhoff in der vorletzten Runde konnte er sich erlauben und trotzdem den Turnier gewinnen. Herzlichen Glückwunsch!

Besagter Georg Hagenhoff, hier links im Duell mit Walandis war auch gestern für die eine oder andere Überraschung gut und gewann ebenfalls ein paar ELO-Pünktchen dazu.

Joachim Bisjak war neben Michael Popiolek der einzige Teilnehmer das gastgebenden Vereins. Seine Gegnerin in der Runde 11 war Lotta Sophie Kowalzik, der drei Gewinnpartien gelangen. Auch die Partie gegen Joachim konnte sie gewinnen.

Ich spielte ein gutes Turnier, verlor aber total ärgerlich gegen Lily, was mich sehr wurmt. Am Ende musste ich mich mit dem etwas undankbaren vierten Platz zufrieden geben.

Im April macht der Teutopokal Pause, am 23. Mai geht es in Halle weiter. Dort gibt es wieder eine Premiere zu feiern: Erstmals wird der Teutopokal in unserem neuen Spiellokal gespielt!

Link zum Ergebnis

 

Team Keymer-Schirmbeck beim Prager Schachfestival

Das Los meinte es gut mit Lily, im mehrfacher Hinsicht. Zunächst entschied es darüber, welche Nachwuchsspielerin des deutschen Schachbunds überhaupt einen der begehrten Plätze im Futures-Turnier des Prager Schachfestivals bekommen sollte. In Frage kamen Lily und Alicia Kovalskyy, die als Team Bronze bei der Team-EM im letzten Jahr gewonnen haben. Beide hatten es verdient, aber nur eine konnte den Platz bekommen. Lily hatte Glück und durfte im Futures spielen, Alicia spielte das offene Turnier. Das Prager Schachfestival ist eines der größten und glanzvollsten seiner Art weltweit. Um den Vergleich mit Tennis zu bemühen: Ein Grand-Slam-Turnier des Schachs. Hunderte begeisterte Schachspieler strömten nach Prag, um allen Geschmacksrichtungen unseres Sports zu frönen. Es gab neben dem großen Open (>300 Spieler) und diversen Nebenevents (Rapid, Blitz, Schach960 und sogar Tandemschach) dieses Jahr drei geschlossene Wettbewerbe: Das Masters war wieder mit 10 Spielern, darunter 5 der absoluten Weltelite mit einer ELO >2700, besetzt. Rameshbabu Praggnanandhaa, Wei Yi, Anish Giri, Aravindh Chithambaram, Le Quang Liem und auch die deutsche Nummer 1 Vincent Keymer waren am Start. Im ebenfalls 10-köpfigen Challengers stritten sich hoffnungsvolle Nachwuchsspieler, unter anderem die stärkste weibliche Schachspielerin unter 20 Jahren Divya Deshmukh, um einen Platz im Master-Turnier des nächsten Jahres. Als drittes geschlossenes Turnier wurde das Futures veranstaltet, welches dieses Jahr mit einer Auswahl der stärksten weiblichen europäischen Nachwuchsspielerinnen bis 15 Jahren besetzt war. Lily war unter diesen mit 11 Jahren die drittjüngste und auch nach Setzlistenposition am Ende des Feldes zu finden. Es war klar, dass es für sie ein sehr herausforderndes Turnier werden würde, aber die Chance zusammen mit den Masters und Challengers auf einer Bühne zu spielen, war den Aufwand allemal wert. Ein kleines Bonbon gab es auch noch und damit kommen wir zum zweiten Losglück für Lily: Bei der Eröffnungsfeier wurden Teams aus jeweils einem Spieler des Masters und einer Spielerin des Futures gebildet. Das Duo, welches zusammengerechnet die meisten Punkte erzielte, erhielt am Ende des Turniers einen Sonderpreis. Lily hoffte sehr, mit Vincent ein Team bilden zu dürfen. Abermals hatte sie Glück und zeigte auf den richtigen Umschlag. Das Team Schirmbeck-Keymer war gebildet!

Die Spieler des Masters und des Futures beim Gruppenfoto

Die meisten Spieler wohnten im prunkvollen Hotel Don Giovanni, in dem das Turnier auch stattfand. Gleich bei der Ankunft stolperten wir mit unseren Koffern in den Aufzug und ließen uns von Pragg (Rameshbabu Praggnanandhaa) erklären, welchen Knopf man wie zu drücken hatte, um an sein Ziel zu gelangen. Besonders nett war auch die Begegnung mit David Navarra, der uns fragte, ob wir denn wohl mit der WCM Stepanka Schirmbeck verwandt seien. Sind wir nicht, jedenfalls nicht dass wir wüssten, aber vielleicht lernt man sich irgendwann ja mal kennen. Die Spielbedingungen und Regularien waren für alle Spieler der geschlossenen Turniere gleich. Die Partien fanden in einem abgeschlossenen Bereich vor großen Monitoren und Zuschauern statt. Alle wurden von Kameras beobachtet, die für den Livestream der Partien genutzt wurden. Es gab einen Kommentar in tschechischer und einen in englischer Sprache von Chessbase India. Für die Spieler galt ein Dresscode (keine Jeans!!!), es gab einen Rückzugsort mit Erfrischungen usw. und nach den Partien wurden Interviews geführt. Ein VIP-Raum für die Entourage der Spieler rundete das Angebot ab. Es war toll hautnah mitzubekommen, wie in Prag Schach auf höchstem Level zelebriert und präsentiert wurde.

Spielsaal während der Runde: In der Mitte Zuschauerplätze, davon rechts und links Spitzenbretter des Opens, im Hintergrund der abgetrennte Bereich der geschlossenen Turniere

Sportlich war das Turnier für Lily leider ernüchternd bis enttäuschend, 3 Punkte aus 9 Partien bei nur einer Siegpartie (die aber immerhin mit Schwarz gegen die EU-Meisterin 2023 WFM Tamae Severina Jakubse) waren am Ende der 9. Platz und bestimmt nicht das Ergebnis, das Lily sich im Vorfeld erhofft hatte. Wie schon bei der EM zeigte sich in den Partien, dass Lily locker das Potential hat, sich auch international mit den stärksten Spielerinnen ihrer Altersklasse zu messen, am Ende fehlte aber immer noch ein wenig, um wirklich auch die ganz großen Erfolge zu erzielen.

Am Ruhetag hatten sich die Organisatoren für die Futures ein besonderes Programm überlegt. Durch den Tag wurden sie von WGM Dana Reizniece begleitet, ihres Zeichens nicht nur Schachgroßmeisterin, sondern auch ehemalige Wirtschafts- und Finanzministerin von Lettland, Generalsekretärin der FIDE und noch einiges mehr: Eine beeindruckende Frau! Am Morgen hielt sie für die Kinder und ihre mitreisenden Eltern und Trainer einen inspirierenden Vortrag darüber, worauf es ihrer Ansicht nach im Schach und im Leben ankommt, insbesondere aus weiblicher Perspektive. Danach stand ein professionelles Fotoshooting auf dem Programm, gefolgt von einem Simultan im Cinema 64 in der Prager Innenstadt. Lily gewann als eine von drei Futures-Spielerinnen ihre Partie gegen die Großmeisterin, welche die Gesamtwertung aber 6:4 für sich entschied.

WGM Dana Reizniece beim Simultan gegen die Futures

Bei den Rahmenturnieren spielten wir ebenfalls mit. Hier konnte ich im Rapidturnier (Gruppe B) ausnahmsweise auch einmal glänzen und gewann mein erstes internationales Turnier mit 6,5 aus 7, Eloperformance 2208. Das Foto zeigt die erste Runde gegen Vellu Alissari aus Finnland.

Daneben spielte ich noch das Paar-Blitzturnier und Lily das Bughouse-Turnier (mit etwas anderen Regeln als das deutsche Tandem), jeweils im Team mit Maria Anistoroaei.

Ein bisschen Sightseeing in Prag schafften wir am freien Tag auch noch (Karlsbrücke im Hintergrund).

Vielen Dank an dieser Stelle Petr Pisk für die großartige Betreuung vor Ort, die hervorragende Arbeit der Organisatoren insgesamt und dass sie und der Bundesnachwuchstrainer Bernd Vökler Lily die Chance gegeben haben, beim Futures Turnier des Prager Schachfestivals spielen zu dürfen. Wir haben uns dort sehr wohl gefühlt und hoffen auf ein Wiedersehen! IM Divya Deshmukh sagte nach dem auch für sie schlechten Turnierergebnis die weisen Worte: „These bad tournaments, they happen to every player. It’s just how you come back after it!“. Dem schließen wir uns vollumfänglich an.

Website der Veranstaltung

Bericht des Deutschen Schachbunds

Ergebnisse auf Chess-Results

Inha holt Bronze bei der Ukrainische Meisterschaft der Menschen mit Hörbehinderungen

Vom 4. Februar bis 13. Februar fand in Tyachiv, einer kleinen ukrainischen Stadt direkt an der Grenze zu Rumänien im Hotels „Fairy“ die Schachmeisterschaft der Ukraine unter Menschen mit Hörbehinderungen statt. Inha Ablohina vom SK Halle war eine der 11 Frauen, die dort den Meistertitel ausspielten. Die Teilnehmerinnen kamen ursprünglich aus Odessa, Kiew, Dnepr, Donezk, Charkow, Chmelnyzkyj, Iwano-Frankiwsk und Lwow. Aufgrund des Krieges leben viele von ihnen aber derzeit als Flüchtlinge in anderen Teilen der Ukraine oder wie Inha in Deutschland. In der Ukraine gibt es auch noch weitere gehörlose Spielerinnen, die aber wegen des Krieges leider nicht teilnehmen konnten. Nach Transkarpatien und zurück zu kommen erforderte einiges an Reisestrapazen. Mit dem Flugzeug ging es ins polnische Kattowice, dann 20 Stunden mit dem Bus nach Kiew und von dort aus mit dem Nachtzug nach Tyachiv. Die Rückreise war noch schlimmer: Erst 8 Stunden mit der Bahn nach Lviv, dann weitere 20 Stunden mit dem Flixbus zurück nach Köln, wo Inha wohnt. Immerhin war die Zollabwicklung flott, nur 1 Stunde statt der üblichen 6-8 dauerte es.

Es wurde ein 11-rundiges Blitz- und ein klassisches Turnier mit derselben Rundenzahl gespielt. Die ukrainische Meisterschaft zählt auch als Qualifikationsrunde zur Europameisterschaft vom 5. bis 13. April in Kroatien. Inha wurde beim Blitzen 6., beim klassischen Turnier erspielte sie sich dann sogar die Bronzemedaille und ist sehr zufrieden mit ihrem Ergebnis. Damit hat sie sich für die Teilnahme an der Europameisterschaft qualifiziert. Herzlichen Glückwunsch, Inha, und viel Erfolg!

Link zu den Turnierergebnissen

Aus Syvun – Ablohina: Die Partie ging hin und her. Hier hat Inha sie objektiv sogar eingestellt. Nach De6 ist der Springer, kaum zu glauben, in der Mitte des Bretts gefangen und geht verloren. Schwarz hat keinen guten Zug. Nach Tc6 kommt einfach Tf3, auf Sc4 folgt ebenfalls Tf3, Schwarz kann sich nicht rühren und Weiß setzt matt. Alle anderen Springerfelder laufen in Doppelangriffe mit der Dame. Yuliia Syvun sah das glücklicherweise nicht, spielte Lxd6 und Inha gewann die Partie aufgrund des Materialvorteils.

Das Treppchen: Alina Lyanguzova (Mitte), WCM Natalya Myronenko (links) und Inha Ablohina (rechts)

Inha bei der Siegerehrung mit den Organisatoren

Aus der Partie Ablohina – Myronenko: Schwarz möchte mit dem Zug Ld2 gerne den a5 decken. Verständlich, dies erlaubt aber eine hübsche Taktik: Mit dem Durchbruch c5 erreicht Weiß hier eine Gewinnstellung. Den Bauern mit dxc5 zu schlagen funktioniert wegen direktem d6 nicht (Sxd6 Txd2 kostet eine Figur). Wenn man ihn aber nicht nimmt, läuft der Bauer einfach durch.

Endstellung der Partie Ablohina – Myronenko: Weiß hat mittlerweile einen Läufer mehr. Natalya Myronenko bot einige Züge vorher Remis an, Inha lehnte ab und versuchte den Turm zu tauschen, was den Weg zum Sieg deutlich einfacher machen würde. Schwarz fand aber Wege den Tausch zu vermeiden. Es war die zweite Partie an dem Tag (Doppelrunde), Inha war sehr müde und auch in Zeitnot. Daher stimmte die letztlich dem Remis gegen die nominell stärkere Spielerin zu.

Buch: Geschichte des Schachpiels in OWL

Ulrich Tamm hat in einem Buch einiges zur Geschichte des Schachspiels von den Anfängen im 19. Jahrhundert in OWL zusammen getragen. Ich habe es mit Interesse gelesen. Man merkt dem Buch an, dass es sich mehr um eine Zusammenstellung einzelner Recherchen, die je nach Quellenlage mal sehr ins Detail gehen und manchmal auch nur an der Oberfläche kratzen, als um eine stringente Erzählung mit rotem Faden handelt. Trotzdem ist es für den interessierten Leser eine Fundgrube, denn es enthält viele Informationen und Geschichten, die ohne den Einsatz des Autors und seiner Helfer wohl alsbald für immer für die Nachwelt verloren gegangen wären. Dankeschön für das Zusammentragen! Das Buch steht in unserer Vereinsvitrine und kann jederzeit gelesen und auch ausgeliehen werden.

Jan Helmer gewinnt den zweiten Teutopokal 2025

Die SG Enger-Spenge ist der erste neue Verein, den der Teutopokal in dieser Saison zu Gast haben wird. 26 Teilnehmer von nah und fern nahmen die Gelegenheit wahr beim zweiten Teutopokal der Saison mitzuspielen. Damit verstetigte sich der Aufwärtstrend bei den Teilnehmerzahlen, so kann es weiter gehen. Auch der ELO-Schnitt zog noch einmal um 20 Punkte an im Vergleich zum Januarturnier, das Turnierfeld bot somit auch für starke Vereinsspieler genügend schachliche Herausforderung. Ein ausgeglichenes Feld war es zudem und es blieb bis zum Schluss spannend, selbst der Sieger CM Jan Helmer und die zweitplatzierte Helena Neumann marschierten nicht durch, sondern gaben auch die eine oder andere Partie ab. Dritter wurde der Lokalmatador Thorsten Rathmann. Als Schiedsrichter war das erste Mal Christian Jackl dabei, sodass ich dieses Mal keine Doppelrolle hatte und mich ganz aufs Schachspielen konzentrieren konnte. Wenn sich die Anmeldezahlen zukünftig in ähnlichen Größenregionen bewegen (und ein Schiri dadurch finanzierbar ist), werden wir das sicher auch mal so oder so ähnlich wiederholen. Michael Sadroschinski saß am Laptop und machte bei der Turnierleitung einen guten Job.

Von uns waren die üblichen 4 Verdächtigen dabei: Hansa, Viktor, Lily und ich. Lily gelang gleich in der ersten Runde ein Schwarzsieg gegen FM Matthias Krallmann. Mir gelang dasselbe gegen FM Rafael Torres-Kuckel, der einen schlechten Start erwischte, in Runde 3. Wir beide machten ordentlich ELO-Plus. Viktor und Hansa verloren dagegen ein paar Pünktchen. Enger-Spenge stellte als ausrichtender Klub 6 Spieler. Dieses Mal begrüßten wir mit Peter Schmidt und Paul Große-Thie auch zwei Gäste vom Schachklub Rostock. Ich habe es leider versäumt zu fragen, ob die nur für den Teutopokal die lange Reise auf sich genommen haben.

Hansa im Duell mit Christopher Stange vom Tus Eichholz Remmighausen. Christopher hat eine griechische FIDE-ID, was im Vorfeld für etwas Verwirrung gesorgt hat. Er meinte, er habe mal in Griechenlandurlaub ein Schachturnier mitgespielt und sei auf diesem Wege dazu gekommen.

An Brett 5 sieht man Lily im Duell mit Christian Hacker. Christian gewann die Partie gegen Lily, ich durfte die Familienehre aber in einer späteren Runde mit einem Sieg gegen ihn wiederherstellen ;-).

Peter Schmidt gegen Ulrich Woestmann am Spitzenbrett der Runde 2. Beide spielten ein Turnier im Rahmen der Erwartungen und gewannen ein paar ELO Punkte. Durch die Spiegel an der Wand sieht das Spiellokal optisch deutlich größer aus, als es in Wirklichkeit ist. Auf den Wegen war es etwas eng, aber wenn man erst einmal saß waren die Spielbedingungen trotzdem gut. In der Spiegelung bin sogar ich mal auf einem Foto zu sehen.

Kurios verlief die Partie von Hansa gegen Michael Scholz. Erst stand Michael komplett auf Gewinn, stellte aber im Endspiel in Zeitnot einen Turm ein. Dann machte Hansa aber in Gewinnstellung seinen zweiten ungültigen Zug und die Partie endete aufgrund unzureichendem Materials Remis.

Im Vordergrund Levin Neudorf gegen Helena Neumann. Im Hintergrund an Brett eins das Fidemeister Duell Matthias gegen Rafael. An den ersten drei Brettern spielten wir mit etwas ungewöhnlichem Material. Die Figuren waren vergleichsweise schwer, mir fiel bei meinen Partien dort mehrmals ein Bauer bei der Zugausführung aus der Hand.

Vielen Dank allen Teilnehmern für den schönen Abend. Es geht weiter am 14.03. mit einer weiteren Gastgeberpremiere beim TV Verl.

Turnierergebnis bei chess-results

Rekord-Teutopokal in Rheda

Mit einer Rekordanzahl an Teilnehmern startete am vergangenen Freitag die 2025er Serie des Teutopokals mit einem Turnier in Rheda. 28 Teilnehmer von nah und fern nutzten die günstige Lage des Rhederaner Spiellokals (fußläufige Nähe zum Bahnhof Rheda und gut erreichbar aus dem östlichen Ruhrgebiet über die A2). Trotz der großen Anzahl an Teilnehmern war der ELO-Schnitt des Turniers über 1700, hochqualitatives Blitzschach war also zu erwarten. Dazu trugen nicht zuletzt FM Rafael Torres-Kuckel aus Ahlen sowie CM Jan Helmer und FM Matthias Krallmann von den Schachfreunden Lieme bei. Unsere Lily war die 4. Titelträgerin im Feld.

Gute Spielbedingungen im katholischen Gemeindehaus. Das Kruzifix an der Wand darf in einer solchen Location natürlich nicht fehlen.

Rafael dominierte das Turnier von Anfang an. Neunmal gewann er in Folge, bis sein Vereinskamerad Andreas Völker ihm ein erstes Remis abrang. Diesem folgte dann nur noch ein weiteres gegen Artur Mai vom SV Hemer. Lily und Inha wurden in den letzten beiden Runden zu ihm hochgelost, aber auch sie verloren ihre Partien klar. Damit gewann er das Turnier sehr deutlich mit 1,5 Punkten Vorsprung. Es folgten Jan mit 10,5 Punkten auf Platz 2 vor Matthias, ebenfalls 10,5 Punkte. Die Feinwertung machte den Unterschied. Die Partie zwischen den beiden habe ich nach der 50-Züge-Regel Remis gegeben, auch eine Premiere beim Teutopokal. Von uns spielten Hansa, Viktor, Benjamin, Lily und Inha mit. Sie hielten sich während des Turniers meistens im Mittelfeld auf.

Benjamin hatte es aufgrund des starken Teilnehmerfelds schwer. Auch hier gegen den Turniersenior Rigobert Ophoff (Jahrgang 1931!) reichte es nicht zum Punktgewinn. Immerhin gelangen ihm aber zwei Gewinnpartien gegen Dimitrios Chatzis (Foto unten) und gegen Barbaros Hayrettin Celik, beide vom Bielefelder SK.

Viktor sammelte seine 5,5 Punkte immerhin mit Siegen gegen Karsten Döding und Rigobert Ophoff vom Gastverein sowie Nora Heidemann aus Hücker Aschen, die, wenn es gut läuft, jeden schlagen kann und das Turnier auch schon einmal gewonnen hatte. Er klopft mit diesem und seinen Ergebnissen im letzten Jahr immer mehr im Mittelfeld des Turniers an. Chapeau!

Lily, hier im Duell der letzten Runde mit FM Matthias Krallmann, spielte ein gutes, wenn auch kein überragendes Turnier. Sie freute sich, dass sie am Ende des Turniers jeweils an die Spitzenbretter hochgelost wurde. Dort setzte es dann aber zwei Nullen und es blieb ein Platz im Mittelfeld. Im Hintergrund an Brett 1 sieht man Inha, die das gleiche Schicksal traf wie Lily (hochgelost an Brett 1).

Inha verpasste leider die ersten drei Runden aufgrund der üblichen Zugproblematik (50 Minuten Verspätung des RE). Einmal da erspielte sie aber 6,5 Punkte aus 10 Partien.

Hier die letzten Züge ihres Endspiels gegen Maximilian Stiller vom Hagener SV

Hansas Turnier war im Rahmen der Erwartungen, am Ende stand ein 19. Platz. Die letzte Runde gewann er allerdings gegen Nora Heidemann.

Vielen Dank allen Teilnehmern und Helfern für den tollen Auftakt der 2025er Serie in Rheda. Bis zur nächsten Ausgabe des Teutopokals ist es gar nicht mehr lang. Am Dienstag, dem 11.02.2025 wird das erste Mal in Enger gespielt.

Bericht auf der Homepage des Rhedaer SV

Link zu den Turnierergebnissen

 

Info

Jeden Freitag:
Vereinsabend im Spiellokal

18.00 – 20.00 Uhr  Kinder- und Jugendschach
ab 20.00 Uhr  Seniorenschach

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