Wie schon in den Vorjahren wurde unsere Spielerin Lily Schirmbeck für das NRW-Team bei der Deutschen Jugend-Ländermeisterschaft nominiert. Hierbei handelt es sich um ein jährlich von der Deutschen Schachjugend ausgetragenes Mannschaftsturnier, bei dem die besten Jugendlichen verschiedener Altersklassen der einzelnen Bundesländer gegeneinander antreten und den deutschen Meister ausspielen. Komplettiert wurde das Feld dieses Jahr mit zwei Mannschaften aus den Niederlanden und Belgien; Völkerverständigung war also ebenfalls Teil des Gesamtkonzepts der Veranstaltung. Zudem gab es ein Rahmenprogramm mit Tandem-Turnier und anderen Freizeitaktivitäten rund um das Ferienparadies Duderstadt, wo das Turnier erstmals stattfand und auch in den nächsten Jahren stattfinden wird, da die Deutsche Schachjugend mit dem Betreiber einen langfristigen Vertrag geschlossen hat.

Es wurde an acht Brettern gespielt: Zwei Spieler mussten unter 12 Jahre alt sein (darunter eine weiblich), ein Spieler unter 14 Jahren, zwei Spieler unter 16 Jahren (darunter eine weiblich), eine Spielerin unter 18 Jahren und zwei Spieler unter 20 Jahren (darunter eine weiblich). Sachsen-Anhalt (Ø-DWZ 2135) und Baden (Ø-DWZ 2121) führten dieses Jahr das Tableau an. Insgesamt war der Abstand zu den anderen Teams aber nur klein, sodass ein spannender Turnierverlauf zu erwarten war. Das Ziel war aber natürlich die Titelverteidigung – NRW spielt immer auf Sieg ;-).

Die NRW-Mannschaft war folgendermaßen besetzt: Brett 1 FM Maurin Möller aus Paderborn, Brett 2 FM Luka Schwitkowski aus Erkenschwick, Brett 3 WFM Alicia Kovalskyy aus Düsseldorf, Brett 4 Benedict Scholz aus Iserlohn, Brett 5 Phillipp Allen aus Erkenschwick, Brett 6 WCM Lily Schirmbeck aus Halle, Brett 7 Daria Shynkar aus Paderborn und Brett 8 Jad Besou aus Lippstadt. Sie bildeten ein vergleichsweise junges, aber trotzdem schon sehr erfahrenes Team. Mit Ausnahme von Benedict und Luka haben alle Spielerinnen und Spieler schon Deutschland bei Welt- und Europameisterschaften vertreten. Insbesondere bei den Spielerinnen und an den unteren Brettern hatte NRW einen vergleichsweise großen nominellen Vorteil. Oben mindestens halten, unten voll punkten war die Strategie. Die Mannschaft war zudem recht OWL-lastig, was für die Jugendarbeit der hiesigen Vereine spricht. Ersatzspieler wurden nicht gemeldet, sodass schon klar war, dass alle Spieler durchspielen würden und man auch die gegnerischen Mannschaften nicht durch Personalrochaden überraschen werden könne. Betreut wurde die Mannschaft wie in den Vorjahren von der Landestrainerin WGM Carmen Voicu-Jagodzinsky aus Hemer und dem Herforder Stützpunkttrainer Andre Wolf.

Die erste Runde ist traditionell zum Warmwerden, da die obere Hälfte der Setzliste gegen die untere Hälfte gelost wird. Es war dann aber in einzelnen Begegnungen doch enger als vermutet. NRW gewann recht klar mit 5:3 gegen Sachsen, aber Rheinland-Pfalz hatte schon Probleme und setzte sich nur knapp gegen die Gäste aus Amsterdam durch.

Auch die zweite Runde gegen Rheinland-Pfalz wurde sicher gewonnen: An den ersten fünf Brettern gab es Remis und unten wurde dreimal gewonnen, was ein 5,5:2,5 für NRW bedeutete.

In der dritten Runde saß das NRW-Team auch nominell das erste Mal einem Gegner auf Augenhöhe gegenüber. Dieses Mal klappte es nicht ganz mit den vollen Punkten an den unteren Brettern (zweimal Remis von Daria und Jad). Da aber Phillipp, Lily und Luka ihre Partien gewinnen konnten, stand am Ende der 5:3-Sieg fest.

Das NRW-Team war also auf Kurs. In der vierten Runde traf man das erste Mal auf ein nominell stärkeres Team, nämlich das aus Baden. Hier lief es das erste Mal überhaupt nicht nach Plan: Maurin, Alicia und Lily verloren ihre Partien, und der einzige volle Punkt für NRW war der Sieg von Phillipp Allen gegen Christina Jordan. 3:5 verloren, ein Punkt Rückstand in der Gesamtwertung. Aber angesichts der Leistungsdichte bei den Topmannschaften war es durchaus nicht unwahrscheinlich, dass man diesen in den letzten Runden noch würde aufholen können. Schließlich warteten auf alle Mannschaften noch harte Brocken.

Glücklicherweise gab es gar keine Gelegenheit, dem verlorenen Punkt am Morgen hinterherzutrauern, denn schon am Nachmittag hieß es: „Erbarmen, die Hessen kommen!“ Diese hatten schon am Vortag (3. Runde) ein 4:4 gegen Baden erkämpft und lagen daher in der Gesamttabelle ebenfalls einen Punkt vor dem NRW-Team. Es entwickelte sich ein enger Kampf mit beidseitigen Chancen. Letztlich sicherten aber die starken Siege von Maurin Möller gegen Tymur Musiienko, Lily Schirmbeck gegen Sarah Neininger und Daria Shynkar gegen Jonas Liu den 5:3-Sieg. Die Welt war wieder in Ordnung für das NRW-Team, denn Rheinland-Pfalz schaffte am Nebenbrett ein 4:4 gegen Baden, womit man wieder mit Sachsen-Anhalt und Baden gleichauf an der Tabellenspitze lag.

Die 6. Runde bot wieder eine nominell große Herausforderung: Sachsen-Anhalt, trainiert von der ehemaligen ukrainischen Frauenmeisterin WGM Tatjana Melamed, würde dem Team noch einmal alles abverlangen. Lily wurde in der Eröffnung von der Vorbereitung ihrer Gegnerin erwischt, kämpfte sich aber aus einer unvorteilhaften Stellung heraus, konnte im Partieverlauf ihre Spielstärke zur Geltung bringen und den vollen Punkt gegen Laura Marie Rössling holen. Luka, Benedict und Jad gewannen ebenfalls ihre Partien, wohingegen Alicia und Phillipp unterlagen. Nachdem Maurin dann am Spitzenbrett seine schlechte Stellung ins Remis gerettet hatte, war klar, dass es zum Sieg reichen würde.

Vor der letzten Runde hatten wir nur einen Punkt Vorsprung auf Hessen. Ein Sieg gegen Württemberg musste her, um nicht die Buchholzlotterie bemühen zu müssen. Es wurde dann auch eine klare Sache: Mit 5,5:2,5 verteidigte NRW seinen Titel und wurde auch 2026 Deutscher Ländermeister! Herzlichen Glückwunsch an das Team. Zudem sicherte sich Lily den Brettpreis mit 5,5 Punkten aus sieben Partien und überschrieb nebenbei das erste Mal den nächsten Hunderter: Mit 2101 DWZ rückt sie als 13-Jährige in die Top-Ten bei den weiblichen Jugendlichen unter 20 Jahren in Deutschland vor. Herzlichen Glückwunsch an Lily zu ihrem Einzelergebnis und herzlichen Glückwunsch an das starke NRW-Team zur Meisterschaft!

Das siegreiche NRW-Team: Von links nach rechts: Phillipp Allen, Benedict Scholz, Daria Shynkar, Luka Schwitkowski, Jad Besou, Carmen Voicu-Jagodzinsky, Lily Schirmbeck, Maurin Möller, Alicia Kovalskyy, Andre Wolf.

Lily mit dem Siegerpokal